Früherkennung: Brustkrebs-Bluttest

Deutsche Welle: Brustkrebs: Deutsche Forscher stellen Bluttest zur Früherkennung vor. “Eine einfache Blutprobe könnte Ärzten schon bald helfen, Brustkrebs frühzeitig zu erkennen – im Rahmen einer regelmäßigen Routineuntersuchung. Der Test soll fast so präzise sein wie eine Mammographie.”

Klingt nach einer interessanten neuen Methode zur Krebs-Früherkennung. Der Artikel hat aber leider einige Schwachstellen: Es wird zwar die Sensitivität des Tests mit ca. 75% angegeben, die Spezifität fehlt jedoch. Außerdem ist nicht angegeben, was mit “fast so präzise wie eine Mammographie” gemeit ist – mehr dazu unten.

Ärgerlich ist auch dieser Abschnitt:

“Der Bluttest kann möglicherweise auch Tumore ausfindig machen, die bei einer Mammographie nicht erkannt werden, weil das Brustdrüsengewebe zu dicht ist. Darüber hinaus kommt es für Patientinnen in Frage, die aus anderen medizinischen Gründen keine Mammographie über sich ergehen lassen dürfen.

Dabei wird die Brust nämlich unter Umständen stark gequetscht. Ein MRT wiederum hat den Nachteil, dass es mit einer recht hohen Röntgen-Strahlenbelastung einhergeht.”

Da hat offenbar jemand die Magnetresonanztomographie (MRT, auch Kernspintomographie genannt) mit der Computertomographie verwechselt. Erstere arbeitet nämlich mit für den Körper ungefährlichen Magnetfeldern (das einzige Risiko geht von eventuell verwendeten Kontrastmitteln aus), während letzere eine Art aufwändige Röntgenaufnahme ist, deren Strahlenbelastung in der Tat deutlich höher als bei einer einfachen Röntgenaufnahme ist. Eine Mammographie ist eine Röntgenaufnahme. MRT-Aufnahmen können zwar auch zur Brustkrebs-Erkennung eingesetzt werden, sind aber teuer.

Nebenbei gesagt gibt es Studien, welche die Nützlichkeit von Brustkrebs-Screenings stark in Zweifel ziehen:

Die Zeit: Kann dieser Tropfen vor Krebs retten? “Die nächste Regierung muss das Mammografie-Screening für Brustkrebs stoppen. Es ist gescheitert, doch neue Bluttests machen Hoffnung.” Von Ulrich Bahnsen. (Zeit vom 10.01.2018)

” Eine Senkung der Sterblichkeit durch Mammografie sei dagegen nicht erkennbar, schrieben die Forscher um Philippe Autier im British Medical Journal. Wenn es sie überhaupt gebe, liege sie sicher unter fünf Prozent. Stattdessen habe die Röntgendiagnostik teilnehmenden Frauen Schaden zugefügt: Rund 30 Prozent seien zum Opfer von Überdiagnostik und Übertherapie geworden – ein ähnlicher Befund war bereits früher nach diversen Untersuchungen erhoben worden.

Diese Frauen waren nach der Mammografie gegen Tumoren behandelt worden, die zu den langsam wachsenden und nicht streuenden Typen gehörten. Sie hätten ihnen nie im Leben Beschwerden verursacht. Trotzdem wurden die Betroffenen unnötigerweise therapiert – der Grund dafür ist, dass auf der Basis einer Röntgenaufnahme kaum einzuschätzen ist, ob ein Tumor ungefährlich ist oder aggressiv behandelt werden muss. Die früh streuenden und dann oft tödlichen Tumortypen dagegen fallen in der Mammografie allzu oft nicht auf.

Diese Unschärfe der Diagnostik hat im Einzelfall drastische Folgen: unnötige Entnahmen von Gewebe, überflüssige Operationen, unnötig belastende Chemo- oder Strahlentherapien. Polemisch überspitzt: Oft wird nach Mammografie nicht das behandelt, was Patientinnen wirklich gefährdet, sondern was Röntgenbilder zeigen.”