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Endlich zurückgetreten

Tuesday, March 1st, 2011

Über den Fall zu Guttenberg ist ja überall hinlänglich geschrieben worden. Mich hat seine Dreistigkeit wütend gemacht, denn wie viele Lehrer versuche ich meinen Schülern beizubringen, dass und warum man Quellen korrekt zitieren muss. Wenn grobe Verstöße eines Politikers bekannt werden, aber nicht einmal zum Verlust seiner politischen Ämter führen, wozu machen wir Lehrer uns dann noch die Mühe?

Volker Pispers hat es meiner Ansicht nach vor einigen Tagen auf den Punkt gebracht:

“Entweder: Er hat wirklich nicht gewußt, was in der Arbeit drin steht, weil er sie gar nicht selbst geschrieben hat. Dann ist er ein verdammter Lügner. Oder: Unsere adelige Pomadenmischung hat genau gewußt, was sie da ihrem Doktorvater untergejubelt hat. Dann isser ein verdammter Lügner und akademischer Betrüger. Oder: Er hat wirklich erst am letzten Wochenende beim Durchlesen gemerkt, dass er auf 270 Seiten von anderen Leuten abgeschrieben hat, ohne es vorher zu merken. Dann ist der Mann zu blöd für irgendetwas, meine Damen und Herren.”

Quelle: Volker Pispers & Gäste: Über den Betrüger von und zu Guttenberg

Heute morgen beim Frühstück habe ich die aktuelle Zeit gelesen. Gleich auf Seite 1 beantwortet Giovanni di Lorenzo die Frage “Reicht es, wenn Karl-Theodor zu Guttenberg auf seinen akademischen Titel verzichtet?” mit “Sein Amt soll er behalten. Und sich darin künftig allein an seiner Leistung messen lassen.” Er führt ernsthaft als Argument an, dass in der “guten alten Bundesrepublik” die Politiker viel mehr Dreck am Stecken gehabt hätten und dafür auch nicht zurücktreten mussten. Dazu fällt mir einfach gar nichts mehr ein.

Immerhin spricht in derselben Ausgabe Martin Spiewak eine deutlichere Sprache, zumindest was zu Guttenbergs lapidaren Umgang mit seinen Verfehlungen in der Dissertation angeht: “Eine Frage der Ehre – Die Hochschulen müssen aus dem Fall zu Guttenberg Lehren ziehen. Zehn Thesen zum richtigen Umgang mit schlechten oder gefälschten Arbeiten.”

Als heute vormittag dann endlich die Nachricht von seinem Rücktritt die Runde in der Schule machte, fühlten sicherlich viele so wie ich Genugtuung, dass zu Guttenberg jetzt doch die Konsequenzen seines Handelns tragen muss. Für meinen Geschmack fällt die Begründung seines Rücktritts allerdings recht dürftig aus. Den genauen Wortlaut kann man hier nachlesen.